Durchbruch bei den Groko-Verhandlungen in Berlin: Die Arbeitsgruppe „Digitales“ hat sich auf konkrete Projekte verständigt, die unter anderem eine dezidierte Games-Förderung und eine politische Anerkennung des eSport-Segments erwarten lassen.

Familiennachzug, Pflege, Rente, Bildung, Soli, Innere Sicherheit, Klimaschutz, Europa-Politik: Im Vergleich zu den extrem dicken Brettern, die von den Groko-Verhandlern in den vergangenen Tagen gebohrt wurden, muten Aspekte wie Games-Förderung und eSport für Außenstehende möglicherweise wie Sperrholzplatten an.

Für all jene, die in Deutschland Videospiele und Mobilegames entwickeln und vermarkten, sind diese Anliegen natürlich von umso größerer Bedeutung. Be- und verhandelt wurden die Themen in den vergangenen Wochen von der Arbeitsgruppe „Digitales“, die am späten Sonntagabend ihre Beratungen abschließen konnte.

Die Verhandlungsführer Helge Braun (CDU), Dorothee Bär (CSU) und SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil haben in Berlin die wesentlichen Ergebnisse vorgestellt, die unter anderem Milliarden-Investitionen in den Ausbau von Glasfaser- und Mobilfunk-Netze vorsehen.

Koalitionsverhandlungen: Groko will Games-Standort Deutschland stärken

Das Thema Games wird eine zentrale Rolle im Entwurf des Koalitionsvertrags spielen. Laut Bär sollen „Computerspiele endlich den Stellenwert bekommen, den sie längst haben sollten.“ Konkret soll der Entwicklungs-Standort Deutschland gestärkt werden, indem ein Förder-Modell zum Einsatz kommt, das für angemessene Wettbewerbs-Bedingungen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sorgt – Bär spricht wörtlich von einem „level playing field“.

De Deutsche Computerspielpreis soll parallel „weiterentwickelt“ werden.

Außerdem will die Große Koalition das Thema eSport „aufwerten“ und für einen größeren Bekanntheitsgrad sorgen. Unter anderem soll das wettbewerbsmäßige Computerspielen im Vereins- und Verbandsrecht anerkannt werden – mittelfristig nimmt sich die künftige Regierung eine „olympische Perspektive“ für den eSport vor.

Mit beiden Projekten würden CDU/CSU sowie SPD konkrete Zusagen aus ihren Wahlprogrammen zur Bundestagswahl 2017 umsetzen.

In einer ersten Stellungnahme bewertet Game-Geschäftsführer Felix Falk die Zwischenergebnisse als „sehr vielversprechend“. Die Branche brauche dringend bessere Rahmenbedingungen – eine konkurrenzfähige Entwicklungsförderung und die Anerkennung von eSport seien „genau die richtigen Schritte“.

Die jahrelange Vorarbeit, die teils noch auf die Vorgänger der aktuellen Verbands-Geschäftsführer und -Vorstände zurückgeht, könnte sich also in der kommenden Legislaturperiode auszahlen. Ob der Koalitionsvertrag letztlich zustande kommt, hängt von der Zustimmung der SPD-Basis sowie der Partei-Gremien der Union ab.

Arbeitsgruppe Digitales: Dorothee Bär (CSU) und Lars Klingbeil (SPD) im Verhandler-Team

In der Arbeitsgruppe für Digitales sind sechs CDU-, vier CSU- und sieben SPD-Politiker vertreten.

Zu den Verhandlern zählen unter anderem Saskia Esken (SPD), die rheinland-pfälzische Staatssekretärin Heike Raab (SPD), Bundestags-Vizepräsident Hans-Peter Friedrich (CSU), der Düsseldorfer Abgeordnete Thomas Jarzombek (CDU) und SPD-Politiker Björn Böhning, der als Chef der Berliner Staatskanzlei erst vor wenigen Tagen mit einem umstrittenen Tweet an Dorothee Bär für Schlagzeilen sorgte.

Esken hatte bereits Ende 2016 an der ersten Vorstellung des Förderpapiers des damaligen Bundesverbands BIU teilgenommen und trat 2016 als Laudatorin des Deutschen Computerspielpreises auf.

Klingbeil, Jarzombek und Bär waren mehrere Jahre als DCP-Juroren im Einsatz – Bär hatte sich als Jury-Vorsitzende an verschiedener Stelle für die Branche stark gemacht.

Dem Unions-Team gehört auch der Paderborner Uni-Professor Jörg Müller-Lietzkow an, der gemeinsam mit Oliver Castendyk die Games-Standort-Studie verfasst hat.